Das pralle Leben

Ni hao,

ich hatte das Privileg, zwei freie Tage geniessen zu duerfen. Okay, wenn man zwei Tage lang am Stueck von 8 morgens bis 1 Nachts gearbeitet hat, ist das wohl OK. Ab heute gilt: an den ungeraden Tagen habe ich frei, an den geraden Tagen muss ich arbeiten. Und bei den Finals am Samstag und Sonntag muss die komplette Truppe hier im Stadion sein.

Am ersten freien Tag bin ich als erstes mal ins DHQ gegangen, um mir dort meine Tickets abzuholen. Tja, und wie es halt so ist: kaum bin ich raus aus der U-Bahn und auf dem Weg ins Headquarter, faengt es an wie aus Kuebeln zu schuetten, samt Gewitter. Ich glaube, meine Regenjacke hat dem ganzen gerade mal 1 Minute stand gehalten, danach war ich pitschnass bis auf die Unterwaesche. Egal, meine Tickets fuer Leichtathletik habe ich mir abgeholt (Im uebrigen habe ich bisher leider nicht so viel Glueck wie Tanja, was andere Sportarten angeht: ich habe erst am Dienstag die Chance, mir Leichtathletik anzuschauen. Ansonsten habe ich heute noch fuer Diving versucht, Karten zu bekommen, weil ich ja doch unbedingt einmal in den Water Cube moechte. Vielleicht klappt es ja), und danach bin ich erst mal wieder zurueck ins Hotel, um mich umzuziehen. Dabei ist es ziemlich unangenehm, in den nassen Klamotten in klimatisierte U-Bahnen einzusteigen… bjaech. Und die Schuhe waren auch komplett durch, so dass es beim Laufen immer ein Geraeusch gab, als wuerde ich auf einen Frosch treten.

Immerhin hat es irgendwann aufgehoert zu regnen (wobei es im Norden sogar zu Hagelschauern gekommen ist), und ich habe mich abends dann mit Sebastian verabredet. Ich konnte endlich einmal das Lhasa-Bier im Tibet-Cafe probieren, und es schmeckt gar nicht mal schlecht. Wie ein Pils mit einer leicht suesslichen Note.

Am naechsten Tag wollte ich dann versuchen, Tickets fuer eine Bustour zur Grossen Mauer in Simatai zu bekommen. Eigentlich gibt es am Suedwest-Ende des Tian an men-Platzes auch eine Stelle, wo man diese Tickets kaufen kann. Doch aus mir unbekannten Gruenden ging das an diesem Tag ausgerechnet nicht, sondern man hat mich zwei Busstationen weiter geschickt, um diese Tickets zu bekommen. Doch leider habe ich die Verkaufsstelle dort nicht finden koennen, und weil es dort auch keinen gab, der einigermassen Englisch gesprochen hat, habe ich das Vorhaben aufgegeben. Ich habe mich dann mit ein paar Kollegen aus Brasilien und Indien auf Wangfujing getroffen, um ein wenig zu shoppen. Immerhin war dank des starken Regens am Vortag das Wetter an diesem Tag einmalig. Ich glaube, dass das der bisher schoenste Tag in Peking war. Die Sonne schien, die Luft war total klar.

Nach dem Shopping habe ich dann versucht, an einer anderen grossen Busstation (Dongzhimen) Karten zu bekommen, doch auch dort konnte ich keinen Ticket Counter finden. Also habe ich letztlich doch einen gefuehrten Trip vom Hotel aus gebucht, der allerdings nach Badaling fuehrt. Simatai soll aber wesentlich schoener und urspruenglicher sein, vor allen dingen nicht so ueberlaufen wie Badaling, aber so what.

Ich bin dann noch in den Beihai Park gegangen, war aber vorher noch auf dem sogenannten Kohlehuegel. Von dort aus hatte ich einen perfekten Blick ueber die gesamte Stadt, und dank der ausserordentlich guten Sicht konnte ich sogar die Berge sehen, welche die Stadt umgeben. Die bekommt man um diese Jahreszeit nur aeusserst selten zu sehen. Natuerlich habe ich einen haufen Bilder gemacht, aber da Susanne und ich genau entgegengesetzte Arbeitstage haben, wird es schwierig, Euch diese Bilder ins Netz zu stellen. Aber es war wirklich erste Sahne.

Auch Beihai Park ist ein wunderschoener Park. Sehr beliebt ist dort uebrigens Tretboot fahren auf dem grossen See.

Was das pralle Leben angeht: wenn man mit U-Bahn und Bus unterwegs ist, bekommt man das hautnah mit. Kleiner Tip fuer die U-Bahn (kommt von Sebastian und funktioniert in 90% der Faelle): wer zur Hauptverkehrszeit mit der ueberfuellten U-Bahn fahren muss, sollte sich ganz am Ende anstellen, und in die letzten Wagen einsteigen. Interessanterweise ist hier immer noch Platz genug, selbst wenn in den restlichen Zug keine Leute mehr reinpassen.

Mit dem Bus kommt man auch an Stellen vorbei, wo sich normalerweise nur wenige bis gar keine Touristen verirren. Dann findet man auch noch das urspruengliche Peking vor, mit Hutongs und Hinterhoefen etc. Das ist schon ein teilweise krasser Unterschied. Eine Lieblingsbeschaeftigung in diesen Vierteln ist wohl das Herumrotzen. Teilweise hoert man es schon, bevor man um die Ecke biegt: um es mal plastisch zu beschreiben, wird erst der grosse Aufzug aus der tiefsten Sohle hochgeholt, dann “ausgeholt” um dann den ganzen Mist vor sich auf den Boden zu schleudern. Wow.

Wir als Europaeer finden das ekelhaft, aber genau andersherum geht es auch: fuer die Chinesen ist es absolut ekelhaft, wenn ein Europaeer beim Essen oder auch auf offener Strasse ein Taschentuch hervorholt, um sich die Nase zu putzen. Andere Laender, andere Sitten…

Das soll es aber mal erst wieder von mir gewesen sein, ich langweile Euch sonst wieder beim Lesen :-)

Ich hoffe, dass mein Trip am morgigen Sonntag zur grossen Mauer und den Ming-Graebern interessant wird. Natuerlich berichte ich Euch von dort!

In diesem Sinne

Zai jian

Dirk

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